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Frankfurter Neue Presse / 22. März 2010

Machtwechsel im Zeichen der Burg

Harmonie und Herausforderungen: Neuer Vorstand des Burgvereins will Einnahmen steigern und Alkoholkonsum dämpfen
Von Tina Tonsen

Einen Generationenwechsel hat am Freitag der Burgverein mit der Neuwahl des Vorstandes vollzogen. Sämtliche Positionen wurden neu besetzt. Zwei Mitglieder aus dem alten Vorstand übernahmen neue Funktionen.

Königstein. Was nach Revolution klingt, war ein reibungsloser Übergang, den die scheidende Präsidentin des Burgvereins, Brigitte Oswald-Mazurek, und ihre «alten» Vorstandskollegen bestens vorbereitet hatten.

Das bestehende Team war schon früh auf die Suche nach geeigneten Kandidaten für die Nachfolge gegangen. Schließlich war klar, dass die meisten der etablierten Vorstandsmitglieder nicht wieder antreten würden.

Und so verabschiedeten sich am Freitag denn mit Oswald-Mazurek, Schatzmeisterin Katrin Hecht, Zeugwartin Inga Ernst und Präsidialrat Udo-Rainer Hecht gleich vier Führungskräfte. Ihnen allen wurde für ihre jahrelange, hervorragende Arbeit herzlich gedankt. Udo-Rainer Hecht wurde sogar mit der größten Auszeichnung belohnt, die der Burgverein zu vergeben hat: dem Commodore-Orden.

Alle Positionen im neuen Vorstand wurden anschließend mit überwältigender Mehrheit von den Mitgliedern vergeben. Allen voran das Amt der Präsidentin.

Dafür bewarb sich Birgit Becker, die zuletzt schon die Position der Vize-Präsidentin innehatte. «Sie hat schon bewiesen, dass sie eine tragende Säule des Vereins und ein organisatorisches Supertalent ist», zeigte sich Oswald-Mazurek begeistert und erinnerte daran, dass Becker unter anderem die «Mutter des Festbuchs» sei. Als Vize-Präsident steht Becker künftig Bernhard (Berny) Frick zur Seite. Seit einigen Jahren schon gibt der Vorsitzende des Vereins Musik & Szene (Kellerbetreiber) einen wunderbaren «Zeremonienmeister» bei der Inthronisierung des Burgfräuleins. Er wolle die traditionelle Linie fortführen, aber auch neue Wege suchen, um den Burgverein finanziell nach vorne zu bringen, gab Frick bei seiner Vorstellung an. Als «einen vom Fach» stellte Oswald-Mazurek den Kandidaten für das Amt des Schatzmeisters vor. Kein Geringerer als Königsteins Parlamentschef und Ex-Banker Alexander Freiherr von Bethmann (FDP) kandidierte und wurde mit deutlichem Votum gewählt.

Einstimmig sogar schaffte es der neue Schriftführer in den Vorstand. Dieses Amt konnte bei der letzten Wahl nicht besetzt werden. Nun wird es der «Königsteiner Bub» Alexander Hees ausfüllen.

Inga Ernst bleibt dem Burgverein glücklicherweise zwar als Leiterin der Nähstube erhalten, ihren Vorstandposten als Zeugwartin allerdings gab sie jetzt an Bettina Becker ab, die bislang als Hofmarschallin bereits im Vorstand vertreten war. Für den damit frei gewordenen Posten bewarb sich ein «Neuzugang» des Burgvereins und Mitglied des Königsteiner Magistrats, Gabriela Terhorst. Die studierte Betriebswirtschaftlerin will sich verstärkt um Sponsoring kümmern.

Schwere Aufgaben

Schließlich galt es noch das Amt des Präsidialrats neu zu besetzten, das Rainer-Udo Hecht zwölf Jahre lang mit viel Herzblut bekleidet hatte. Ursula Althaus-Byrne, Burgfräulein von 1982 und Mutter des neuen Burgfräuleins Fiona, wird in diese großen Fußstapfen treten.
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Das neue Team steht vor schweren Aufgaben, das hatten die scheidende Präsidentin wie auch die bis dahin amtierende Schatzmeisterin Hecht vor den Wahlen betont. Das Burgfest stehe natürlich im Fokus des 220 Mitglieder umfassenden Vereins. Die Sicherheitsauflagen für das Burgfest würden allerdings immer umfassender. Alleine 7 712 Euro seien im vergangenen Jahr für die Security zu bezahlen gewesen.

«Seitens des Vereins gibt es keine Einsparpotenziale mehr, dagegen sind wir mit stetig steigenden Kosten konfrontiert», informierte Hecht, die daher von einem Kassenminus von 2 616 Euro berichten musste. Die Einnahmen müssen gesteigert werden, das empfahl auch Kassenprüfer Dietrich Görlach, bei aller Zufriedenheit mit der eigentlichen Buchführung.


 


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Frankfurter Neue Presse / 22.06.2009

Vom Vorwerk zum Rathaus
Das Buch zum Fest ist da: Burgfest-Heft vorgestellt – Veränderungen im Programm geplant
Von Stefan Jung

Königstein. In einer Zeit – lange bevor die Le-Cannet-Straße täglich tausende Autos durch die Kurstadt pumpte – führte am Königsteiner «Vorwerk» kein Weg vorbei. Hier traf sich im Mittelalter alles, was irgendetwas in oder von Königstein wollte. Händler, die auf der alten Reichsstraße nach Köln unterwegs waren, zahlten hier ihren Zoll. Bauern, die ihr Mehl wiegen wollten, fanden hier das Gerät dazu. Und üble Gesellen, die hinauf zur Burg wollten, rannten sich am hölzernen Tor den Kopf ein. Allen anderen gab die Torwache gerne den Weg durch den großen Bogen hinein in die Oberstadt und hinauf zur Festung frei.
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Wer sich jetzt fragt, wo denn dieses ominöse «Vorwerk» in alter Zeit gestanden hat, dem sei gesagt – das «Vorwerk» steht immer noch. Es hat auch nach wie vor große Bedeutung für die Stadt – allein es trägt einen anderen Namen. Was einst das Vorwerk war, ist den Königsteinern im Hier und Jetzt als Altes Rathaus ein Begriff und Sitz des Burg- und Stadtmuseums.

Warum und wie es zu diesem Wandel kam, davon erzählt das neue Buch zum Burgfest, das jetzt präsentiert wurde. Auf fast 100 Seiten erfährt der Leser vieles über die Geschichte jenes Bauwerks, das Philipp I. von Falkenstein 1257 errichten ließ, um sich in erster Linie ein großes Stück vom Zoll-Kuchen entlang der Reichsstraße abzuschneiden.

Darüber berichtet Lokalhistorikerin Ellengard Jung in ihrem Beitrag zum Festbuch «Vom Vorwerk zum Alten Rathaus» ebenso wie vom berühmten «Mehlsack», der noch berühmteren «Schepptrepp» und davon, wie die beiden Glocken an ihren Platz hoch oben im Turm des Vorwerks gekommen sind.

Neben Ellengard Jung konnte der Burgverein auch für das aktuelle Buch zum Burgfest an Autoren wieder alles gewinnen, was in der Kurstadt Rang und Namen hat, wenn es um die Stadtgeschichte geht. Da schreibt Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann unter anderem über «Das Alte Rathaus im Spiegel der letzten 100 Jahre», Rudolf Krönke widmet sich dem «Burgsitz der Kugelherren» und Edmund Brütting seinem Leib- und Magenthema der Kochkunst und dem Tafelwesen in Mittelalter und Renaissance.
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Brigitte Oswald-Mazurek, die Präsidentin des Burgvereins, eröffnet mit ihrem Beitrag zum «ältesten Königsteiner Rathaus» nicht nur den Reigen der historischen Aufsätze im neuen Burgfestbuch, sondern schlug bei der Präsentation des Werkes jetzt auch den Bogen zur Neuzeit, genauer gesagt zur neuen Burgfestzeit.

Die beginnt am Freitag, 10. Juli, traditionsgemäß mit der Inthronisation des neuen Burgfräuleins Verena, die nicht nur die erste Trägerin dieses Namens auf dem Königsteiner Thron ist, sondern wohl auch die erste Lieblichkeit sein dürfte, die ihr eigenes Brot mitbringt. Das Rezept hat ihr der Patenonkel, Königsteins Kult-Bäcker Emil Hees, gewidmet und am Freitagabend erstmals verteilt.


Das Brot der Lieblichkeit

Mit einer Banderole samt Verenas Konterfei versehen, ist das Burgfest-Backwerk ab sofort in der Bäckerei Hees erhältlich und soll schon mal einen Vorgeschmack auf die tollen Tage geben.

Die fallen in diesem Jahr übrigens etwas kürzer aus. Am Sonntagabend – so sieht es die Programmfolge vor – werden sich schon um 20 Uhr die Pforten auf der Burg schließen. Offensichtlich wird hier der Tatsache Rechnung getragen, dass der Besuch am Sonntagabend in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen ist. Veränderungen zeichnen sich auch am Burgfestmontag ab. Zwar wird der traditionelle Frühschoppen nicht gestrichen. In diesem Jahr wird der aber nicht auf der Festwiese vom Burgverein, sondern in den Kellern von den Vereinen ausgerichtet.


 


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Kalenderwoche 24 / 2009

Vom Vorwerk zum Alten Rathaus …

Könistein – „Vom Vorwerk zum Alten Rathaus“ – so lautet nicht nur das Motto des Burgfestes 2009, sondern auch der Titel des diesjährigen Festbuches, welches der Burgverein Königstein e.V. am 19. Juni um 19.30 Uhr im Seniorentreff in der Kugelherrnstraße der Öffentlichkeit vorstellen will.

Vieles zu diesem Thema, sowie Interessantes über Königstein und das Burgfest 2009 kann im Festbuch nachgelesen werden.

Auch in diesem Jahr haben wieder viele Autoren Beiträge für das Festbuch geschrieben, so dass man diesee Gelegenheit zur Information und auch zur Einstimmung auf das Burgfest 2009, das vom 10. bis 13. Juli in Königstein gefeiert wird, nicht verpassen sollte.


 


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Kalenderwoche 21 / 2009

Burg Königstein ab sofort unter dem Schutz der Haager Konvention

Königstein (hhf) – Als ob es die alten Preußen gewusst hätten! Was beim missglückten Beschuss der Festung Königstein im Winter 1792 noch als mitlitärischer Fehlschlag angesehen wurde (man verfehlte die französisch besetzte Festung und legte stattdessen die Stadt in Schutt und Asche) ist ab sofort völkerrechtlich vorgeschrieben: Obwohl nach französischer Sprengung nur noch Ruine, steht das Wahrzeichen der Kurstadt nebst Burg Falkenstein und dem Alten Rathaus nun unter dem Schutz der Haager Konvention. Am 14. Mai 1954 wurde dort festgelegt, dass im Verlauf „bewaffneter Konflikte“ besonders bedeutsame Kulturgüter nicht beschädigt werden dürfen. Die Kennzeichnung dafür, ein kleines weiß-blau gehaltenes Schild, welches im ersten Moment an eine bekannte bayrische Automarke erinnert, prangt seit Sonntag am äußeren Burgtor.

Zur feierlichen Enthüllung der Kennzeichnung, die hoffentlich niemals mehr im Kriegsfalle beachtet werden muss, aber vielleicht dem einen oder anderen Burgbesucher auch in Friedenszeiten den rechten Umgang mit dem Denkmal in Erinnerung ruft, hatten sich bei sonnigem Wetter knapp 100 Interessierte vor dem „Mainzer Tor“ eingefunden, was ein sicheres Zeichen für den Rückhalt der Maßnahme in der Bevölkerung darstellte.

„Wir haben leiden keine Fanfare“ bedauerte Dr. Christof Loch, der als Vorsitzender des Vereines für Denkmalpflege, auf dessen Ini­tiative die Kennzeichnung beruht, das Wort ergriff, verschaffte sich mit lauter Stimme aber ebenso gut Gehör. „Das größte Haus in Königstein, das älteste und schönste“ würdigte er das Wahrzeichen der Kurstadt und vergaß auch nicht, daran zu erinnern, dass dieses Geschenk aus der Vergangenheit, in dem sich die „Geschichte geschichtet“ hat, auch in Gegenwart und Zukunft intensiver Pflege bedarf.

Im historischen Kostüm „besonders geschmückt“ hatten sich einige der Aktiven aus Denkmal- und Burgverein vor dem Tor eingefunden, während gleich dahinter ein großes Gerüst an die gelungene Zusammenarbeit von Gemeindeverwaltung und ehrenamtlichen Unterstützern gemahnte, denn dort werden aktuell im städtischen Auftrag jene Mauerbereiche saniert, die von den Denkmalpflegern zuvor entgrünt worden waren.

Eben diese einträchtige Zusammenarbeit lobte auch Bürgermeister Leonhard Helm, der nicht nur dem „Denkmalverein als Unterstützung für den Heimatverein“ eine wichtige Rolle bestätigte, sondern ihn als eine „zusätzliche Errungenschaft im Bemühen, unsere Denkmäler zu erhalten“ würdigte.

„Königstein wäre ohne diese Burg nicht denkbar“ fasste der Rathauschef Vergangenheit und Gegenwart zusammen, wenngleich sich deren Bedeutung im Lauf der Zeiten in mancher Hinsicht stark gewandelt habe: „Früher ging es darum, bei Gefahr schnellstmöglich hinter die festen Mauern zu gelangen, heute stellt sich dagegen den Verantwortlichen die Frage, wie die Bevölkerung bei Gefahr am schnellsten aus der Burg herauskommen kann“. Genau dieser Wandel beschreibt aber auch die aktuelle Funktion des städtischen Wahrzeichens als ein lebendiges Zentrum, auf dem nicht nur die einheimische Bevölkerung ihre zwei größten Feste im Jahr begeht.

In diesem Zusammenhang warb Bianca I., noch amtierendes Burgfräulein, mit einigen Vertretern des Burgvereines schon einmal für das kommende Burgfest, während die Ritter von Königstein, gerade einmal fünf Tage vor ihrem großen Turnierwochenende, nicht nur für die musikalische Untermalung der Feierstunde sorgten, sondern mit ihrer neu gegründeten Musikgruppe „Maiendin“ auch gleich die Sage von Chlodwigs Bekehrung auf dem Burgberg anhand eines eigens bestickten Wandteppichs erläuterte.

Ein jahreszeitlich passender grüner Vorhang hingegen verhüllte die „kriegswichtige Auszeichnung“ noch immer, denn Bürgermeister und Denkmalpfleger zeigten eine besondere Form von Bürgernähe: Erst nachdem alle Anwesenden am Ausschank des Vereines ein Glas Sekt abgeholt hatten, lupfte Helm das Tuch, damit die Enthüllung umgehend begossen werden kann. Ob der Höhe, in der das Kennzeichen angebracht ist, lieh sich das Stadtoberhaupt zur Demaskierung ganz standesgemäß das Schwert von Ritter Howie aus, was hoffentlich in voller Symbolträchtigkeit der absolut letzte Waffengang am nun geschützten Gemäuer gewesen ist.

Um eben dieses Gemäuer auch mit Leben zu füllen, lud Heimatkundlerin Ellengard Jung anschließend zu einer Führung zum Thema „Renaissance“ ein. Schwerpunkt dabei war weniger der bauliche Rest aus dieser Epoche, sondern vielmehr eine Betrachtung des alltäglichen Lebens in jener Zeit, was schließlich auch nicht ohne Nahrungsaufnahme vor sich ging. Welch Wunder, dass der Rundgang im Innenhof bei einem kleinen Imbiss endete, den die Denkmalpfleger dort bereitgestellt hatten.


 


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Königsteiner Woche 22 / 2008

Das Burgfest lässt schon grüßen ...

Königstein – „150 Jahre Sommerresidenz des Hauses Nassau“ ist das Motto des Burgfestes 2008, das vom 1. bis 4. August 2008 gefeiert wird und das festlich von Ihrer Lieblichkeit Bianca I. am 1. August, je nach Wetterlage, an oder in der Villa Borgnis im Kurpark eröffnet wird.

Gleichzeitig ist es das Motto für das Festbuch, auf das der Burgverein in diesem Jahr besonders stolz ist. „Es ist uns gelungen, viele historisch interessierte Königsteiner zum Schreiben anzuregen. Das Ergebnis sind kenntnisreiche Beiträge zur Königsteiner Geschichte“, erläutert Udo-Rainer Hecht, Präsidialrat des Burgvereins. „Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Lesereise in unsere Vergangenheit! Nehmen Sie teil an der Festbuch-Vorstellung des Burgverein Königstein e.V., die am Freitag, 6. Juni, ab 19.30 Uhr im Adelheidstift unterhalb der Immanuelkirche in Königstein stattfindet“, lädt Hecht ein. Unter dem oben angegebenen Motto soll sich auch in diesem Jahr am Sonntag, 3. August, um 14 Uhr, wieder ein farbenprächtiger Festzug durch die Straßen der Kurstadt schlängeln. Die am Umzug beteiligten Personen, Vereine und Gruppen können ab dem 10. Juni jeweils dienstags von 14 bis 17.30 Uhr gegen einen geringen Unkostenbeitrag ihre Leihkostüme in der Nähstube des Burgvereins abholen.

Um den Ansturm auf die Kostüme in geregelten Bahnen verlaufen zu lassen, melden Sie bitte Ihren Anprobetermin unter einer der folgenden Telefonnummern vorher an: 06174/1430 (Nähstube), 06174/4493 (Frau Ernst) oder 06174/21036 (Frau Barnickel).

Die freundlichen Damen der Nähstube beraten Sie gern am Standort der Nähstube in der Robert-Koch-Straße 116b in Kelkheim-Ruppertshain.


 


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Frankfurter Neue Presse, Ausgabe vom 16.06.2008

Burgfräulein steht Pate bei Inthronisation von Kórniks „Weißer Dame“
Von Sabine Henrichs

Königstein. Die Umarmung herzlich, das Lächeln strahlend – für einen vermeintlichen Geist ist die „Weiße Dame“ doch noch sehr lebendig. Davon konnte sich unlängst Burgfräulein Bettina II. überzeugen, als sie bei einer Stippvisite in Königsteins polnischer Partnerstadt Kórnik auf ihre adlige Amtskollegin traf.

Bettina war mit ihrem Junker Dominik, Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und einer Kurstadt-Delegation nach Kórnik gereist, um beim Fest und vor allem bei der Inthronisation der „Weißen Dame“ dabei zu sein. Schließlich sind die Königsteiner mit ihrem Burgfest und ihrem Burgfräulein quasi die Paten der polnischen Lieblichkeit. Angeregt von den Feierlichkeiten im Taunus haben die polnischen Freunde ihrerseits vor einem Jahr erstmals eine Frau aus dem Volk zur „Weißen Dame“ gekrönt. Einerseits wollten sie damit ihr traditionsreiches Fest schmücken, andererseits der früheren Herrin auf Schloss Kórnik, Teofila von Dzialynski Szoldrska-Potulicka, und damit dem „berühmtesten Geist Großpolens“ ein junges, frisches und vor allem quicklebendiges Gesicht geben.

Erstmalig fuhr die neu gekürte „Weiße Dame“ in diesem Jahr – ganz nach Königsteiner Art – in einem Festzug mit Pauken und Trompeten in einer Kutsche durch den Ort bis zum Schloss, wo ihr vor der herrschaftlichen Kulisse von Bürgermeister Jerzy Lechnerowski der „goldene Schlüssel“ der Stadt überreicht wurde.

In bewusster Anlehnung an das Königsteiner Burgfest wurde das Stadtfest in Kórnik programmatisch neu gestaltet. Auf dem Programm standen Volkstänze aus der Region Wielkopolska und Reitervorführungen auf dem Festplatz vor dem Schloss. Ein Popkonzert, ein abendliches Feuerwerk und ein Festkonzert in der örtlichen Kirche rundeten das Fest ab.

Die Königsteiner Reisegruppe wurde von Bürgermeister Lechnerowski im Schloss offiziell begrüßt und traf sich in Kórnik mit den Mitgliedern des neu gegründeten Partnerschaftsvereins, in dem sich auch viele Jugendliche engagieren.

Im Beisein von Bürgermeister Helm überbrachte das Königsteiner Burgfräulein Bettina II. die Grüße aus dem Taunus. Dass sie ihr Grußwort in polnischer Sprache begann, wurde begeistert aufgenommen. Anschließend erhielten die polnischen Teilnehmer am Europa-Jugendwettbewerb der Stadt Königstein aus den Händen der beiden Bürgermeister ihre Preise und Urkunden ausgehändigt.

Im Anschluss an das Fest begann für die Königsteiner Delegation die diesjährige Polenreise des Partnerschaftsvereins. Unter der sachkundigen Leitung von Dr. Philipp Wiesehöfer ging es weiter nach Lodz, dem früheren Textilzentrum Polens. Hier wurden die alten Manufakturanlagen besichtigt, die heute als Kunst- und Kulturzentren oder auch als Wohnanlagen genutzt werden. Dasselbe gilt für die prächtigen Villen der früheren Textilbarone.

Über Lublin, der altertümlichen Grenzstadt, in der die katholische Universität seit 1919 beheimatet ist und vor deren Mauern das nationalsozialistische Vernichtungslager Majdanek liegt, führte die Reise weiter in die Hauptstadt Warschau. Am Denkmal des jüdischen Ghettos, in den Resten des Pawiak Gefängnisses sowie am Denkmal des Warschauer Aufstandes kamen die Schrecken des Zweiten Weltkrieges noch einmal in Erinnerung. Andererseits zeugen das wieder aufgebaute Königsschloss und der Lazienski-Park mit Chopin-Denkmal und herrschaftlichen Palästen vom Lebenswillen des polnischen Volkes.

Nach einem Besuch in der Sommerresidenz der polnischen Könige „Wilanow“ (villa nova) trat die Gruppe mit vielen nachhaltigen Eindrücken die Heimreise an. Ein Gegenbesuch zum Burgfest in Königstein soll die Kontakte vertiefen.


 


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Frankfurter Neue Presse, Ausgabe vom 09.06.2008

Ein Glamourpaar von einst
Von Stefan Jung

Königstein. Sie – bildhübsch, süße 19 Jahre und eine waschechte Prinzessin. Er – 16 Jahre älter, ein gestandener Herzog und leidgeprüfter Witwer, der seine erste Frau und die Tochter im Kindbett verlor und jetzt endlich ein neues Glück gefunden hat. Das ist der Stoff, von dem Society-Reporter träumen. Kein Zweifel, wenn dieses Pärchen heute auf seiner Hochzeitsreise in Königstein Station machen würde – der „Blätterwald“ würde gewaltig rauschen.

Da dieser Antrittsbesuch von Herzog Adolph von Nassau und seiner jungen, zweiten Gemahlin Adelheid Marie – einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Dessau – allerdings über eineinhalb Jahrhunderte zurückliegt, fällt das Rauschen etwas leiser aus. Genau gesagt, ist es nur eine Publikation, die sich ganz aktuell des Promi-Pärchens vergangener Tage annimmt – die Rede ist vom neuen Festbuch zum Königsteiner Burgfest (1. bis 4. August). Das aber hat es in sich.

Auf 120 Seiten haben profunde Kenner der Kurstadt-Historie sich mit den guten alten Zeiten beschäftigt, als die „Nassauer“ in der Kurstadt Einzug hielten und ihr zur wahren Blüte verhalfen. Konkreter Anlass ist der offizielle Aufstieg Königsteins zur Sommerresidenz des Herzogspaares, der sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt und denn auch gleich das passende Motto für das ganze Burgfest liefert.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Fest gab der Burgverein am Freitagabend bei der offiziellen Präsentation des Festbuches im Adelheidstift der evangelischen Immanuelgemeinde. Dass der Verein wohl keinen besseren Veranstaltungsort für seine Vorstellung hätte finden können, unterstrich Hausherrin und Co-Autorin Katharina Stoodt-Neuschäfer. Die Pfarrerin der Immanuelgemeinde erinnerte daran, dass ohne die Einflussnahme und Unterstützung des protestantischen Herzogspaares – allen voran der Herzogin – die junge und kleine evangelische Gemeinde wohl kaum so schnell zu ihrer schönen Kirche und zum Adelheidstift gekommen wäre. Denn, so Stoodt-Neuschäfer: „Als die herzogliche Familie nach Königstein kam, war das noch ein ganz katholischer Ort.“

Wie die Kurstadt sich langsam den Protestanten öffnete und welche Rolle Helene Böckler, Maria Eckmayer und der Frauenverein bei der Errichtung des Adelheidstifts spielten, das erfahren die Leser des Festbuches ebenso, wie die Hintergründe, die letztlich dazu führten, dass Adolph aus dem herzoglichen Vorruhestand mit stolzen 73 Jahren noch einmal Großherzog von Luxemburg aufstieg. Dass einem beim Lesen nicht schwummrig vor Augen wird, in Anbetracht der vielen Nassauer Linien, die sich kreuzen, trennen und wieder treffen – dafür zeichnet Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann als Autorin verantwortlich.

Gleich mit einer ganzen Reihe historischer Beiträge im Festbuch vertreten ist Lokalhistorikerin Ellengard Jung, die mit Edmund Brütting, Rudolf Krönke, Dr. Christof Loch, und Burgvereinspräsidentin Brigitte Oswald-Mazurek weitere Liebhaber der Stadtgeschichte an ihrer Seite weiß.

Außer dem Blick zurück in die Vergangenheit richten sich die Augen natürlich auch nach vorn und auf das kommende Burgfest. In dem von Birgit Becker mit viel Liebe und Herzblut zusammengestellten Buch erfahren die Fans und solche, die es werden wollen, alles, was sie über das Fest der Feste in der Kurstadt wissen müssen – angefangen bei den Zugnummern des Festzugs, über die Keller-Betreiber, bis hin zu den Befindlichkeiten, die sich bei einem kommenden und einem scheidenden Burgfräulein so kurz vor dem Fest einstellen. Gut zu wissen und deshalb auch dem Buch zu entnehmen ist, dass das Burgfest ab sofort einen Prinzen zum Schirmherrn hat – und das ohne, dass die Person gewechselt hätte. Der langjährige Patron des Festes, Graf Alexander zu Stolberg-Wernigerode, wurde unlängst an Sohnes statt von Fürstin Hildegard zu Stolberg-Roßla angenommen und stieg damit in den Rang eines Prinzen zu Stolberg-Roßla auf.


 


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